festival contre le racisme [BLN 2016]

Was gibt es da zu feiern? Durchschnittlich brennt jede Nacht mindestens eine Unterkunft für geflüchtete Menschen. Berichte über körperliche Gewalt gegenüber Asylsuchenden häufen sich. Das türkische Militär schießt auf fliehende Zivilisten an der türkischen Grenze und Europa bleibt stumm. Europas Regierungen tolerieren türkische Bomben auf kurdischen Provinzen, damit die Türkei im Gegenzug Geflüchtete davon abhält, europäische Außengrenzen überhaupt zu erreichen – ein schmutziger Deal, der die Weste der europäischen Elite weiß wäscht und die Verweigerung auf das Menschenrecht ‚Asyl‘ an die türkische Grenze verlagert. In Berlin wird ein AFD-Vorsitzender zum leitenden Oberstaatsanwalt in der Abteilung „Ein- und Auslieferung ausländischer Straftäter“ befördert und die CDU weigert sich, Straßen benannt nach Kolonialverbrechern umzubenennen. Nicht zuletzt häufen sich die Wahlerfolge der Nationalist*innen von AfD und Co.

Die sogenannte Mitte der Gesellschaft rückt nach rechts, versteckt hinter Beschönigungen wie „besorgte Bürger“. Wer keine Hürden überwinden muss, sieht eben diese nicht. Und so teilt sich die Gesellschaft in wenige privilegierte Gewinner*innen und viele Verlierer*innen. Getreu der neoliberalen Ideologie „There is no such thing as society (Thatcher)“ vereinsamt die Gesellschaft an ihrem Individualismus.

Aber auch der „alteingesessene“ Rassismus zeigt weiterhin sein Gesicht. Hasskriminalität, strukturelle Diskriminierung, Hetze und Ausschluss bleiben für viele Menschen in Deutschland feste Bestandteile des Alltags. Schlechteren Jobchancen, Pöbeleien am Arbeitsplatz, als einzige Person den Fahrschein vorzeigen zu müssen oder keine Wohnungsbesichtigung aufgrund des Namens zu bekommen sind Regel und nicht Ausnahme für viele People of Colour in Deutschland. Während Rassismus an deutschen Hochschulen die privilegierte Situation weißer Student*innen unterstreicht, bleiben Studierende of Colour unterrepräsentiert. Rassistische Bezeichnung werden auch im akademischen Kontexten benutzt und die deutsche Kolonialgeschichte bleibt oftmals noch fern von den Curriculae deutscher Hochschulen. Auch ein exotisierender Rassismus, der Menschen durch ihre vermeintliche zugeschriebene Kultur als Bereicherung abtut, essentialisiert das Anderssein. Kategorien wie Klasse und Geschlecht spielen ihre traurige Rolle hierbei – so wissen die wenigsten, dass Frauen* of Colour und Schwarze Frauen* am häufigsten von sexualisierter Gewalt und Armut betroffen sind.

Das ‚festival contre le racisme‘ Berlin 2016 widmet sich genau diesen Auswüchsen eines rassistischen Deutschlands. Rassismus, Anti-Romaismus, anti-muslimischer Rassismus, die EU-Flüchtlingspolitik und ihre Auswirkungen für geflüchtete Menschen sowie Kurd*Innen sind Themen, denen wir uns widmen. Mit dem 4-tägigen Festival thematisieren wir diese Probleme und wollen ihnen entgegen treten.

Aber es gibt nicht nur Gesichter des Rassismus, sondern auch die des Widerstands. Bürger*inneninitiativen wie „Moabit Hilft“ fangen staatliches Versagen auf, Aktivist*innen solidarisieren sich, blockieren Naziaufmärsche und stellen sich wie #ausnahmslos öffentlich gegen eine rassistische Ausschlachtung sexualisierter Gewalt. Gruppen wie „Corasol“ und „Stop Deportation“ kämpfen schon lange für ihre Rechte und bestärken so andere geflüchtete Menschen sich von den rassistischen Anfeindungen und der staatlichen Diskriminierung nicht unterkriegen zu lassen. Diese Kämpfe zu skizzieren und die Arbeit von Aktivist*innen zu zeigen, ist ebenfalls Teil des Festivals. Im Mittelpunkt stehen daher Erfahrungen und Performances von Personen, die negativ von Rassismus betroffen sind.

Wir laden alle ein, sich mit uns dem Rassismus entgegenzustellen. Veranstaltungen verschiedenster Arten werden bundesweit vom 1.-10.Juni 2016 stattfinden, in Berlin vom 6. Juni bis 10. Juni.